Die Planung von Kabelprojekten sorgt für mehr Erfolg und Sicherheit

Sowohl die Geschichte als auch die Erfahrungen haben uns gelehrt, dass Planung unsere Erfolgschancen verbessert und unsere Chancen auf Misserfolge verringert. Die Planung umfasst die Bewertung des aktuellen Zustands und die Vorbereitung auf zukünftige Ergebnisse. Diese Bereitschaft ermöglicht eine schnellere Reaktion, wenn die Dinge nicht wie geplant verlaufen.

Ursprünglich veröffentlicht von Sheri Dahlke in „Cabling Installation and Maintenance Magazine,“ Ausgabe vom 30. Okt 2020. Die Genehmigung zur erneuten Veröffentlichung liegt vor.

Bewährte Verfahren tragen dazu bei, dass das Einziehen von Kabeln so reibungslos und erfolgreich wie möglich verläuft.

Noch vor einem Jahr hätten sich nur wenige von uns vorstellen können, dass sich unsere Geschäftspraktiken radikal verändern würden, um die Anforderungen der Pandemie zu bewältigen. Während sich Gesundheitsexperten, Epidemiologen und vielleicht auch noch Filmregisseure das durch eine sehr ansteckende, tödliche Krankheit verursachte Chaos unter Umständen vorstellen konnten, hatten wir unsere Geschäftspläne nicht auf der Basis dieses unvorhersehbaren Ereignisses erarbeitet.

Obwohl manche unserer Pläne dadurch auf den Kopf gestellt wurden, hilft uns der Planungsprozess weiterhin beim Umgang mit dieser „neuen Realität“. Winston Churchill sagte einmal: „Pläne sind nicht wichtig, doch die Planung ist unerlässlich.“

Wir konnten sowohl aus der Geschichte als auch aus der Erfahrung lernen, dass die Geschäftsplanung unsere Erfolgschancen verbessert und die Wahrscheinlichkeit des Scheiterns verringert. Zur Planung gehört eine Beurteilung des aktuellen Zustands und die Vorbereitung auf künftige Entwicklungen. Wenn wir vorbereitet sind, können wir schneller reagieren, wenn etwas nicht nach Plan läuft.

Wir planen nicht, bei einer Wanderung zu stolpern und zu stürzen. Doch unsere Erste-Hilfe-Ausrüstung trägt dazu bei, dass wir sicher nach Hause zurückkehren. Durch die Planung können wir unsere Anlagen schützen und unsere Ersparnisse und Investitionen für den Ruhestand vermehren.

Dazu kann die Planung auch die Tür für andere Chancen öffnen, einschließlich Kosteneinsparungen. Durch Routenplanung vor der Abfahrt können wir ja auch durch den Vergleich mehrerer Routen die effizienteste, sicherste und erfolgreichste Route finden, die sogar einen neuen Halt entlang der Route beinhaltet.

Warum überspringen wir also die Planung? Sie nimmt Zeit in Anspruch. Der Zeitaufwand für die Planung ist keine verlorene Zeit. Sie kann zwar schwierig sein, doch die Mühe lohnt sich immer, weil wir damit ein Gefühl für das bekommen, was vor uns liegt, und dazu gehören auch Hindernisse und Chancen. Ein gut recherchierter und durchdachter Plan kann Chaos, vergeudete Ressourcen und finanzielle Verluste vermeiden, vor allem bei Projekten mit einem hohen finanziellen und Materialaufwand.

Einstellung und Anpassung

Wenn sich eine Situation ändert, müssen sich auch unsere Pläne ändern. Wenn unsere Taktiken in der Strategie dargestellt sind, können wir sie umsetzen und an die jeweiligen Umstände anpassen.

Sehen wir uns ein Glasfaserkabelprojekt als Beispiel an. Glasfaserkabel sind zwar relativ robust, können aber trotzdem beschädigt werden. Diese Schäden sind unter Umständen erst dann ersichtlich, wenn die Prüfungen nach der Installation der Kabel durchgeführt werden. Glasfaserkabel sind teuer, vor allem, wenn Arbeitskosten hinzukommen. Das ist ein Fall, in dem durch die Planung vor Beginn der Arbeiten verhindert wird, dass etwas nochmals gemacht werden muss, und durch das Wiederbeschaffungskosten eingespart werden.

Im Folgenden schlagen wir einen umfassenden Prozess vor, der von der Planung bis zur Installation der Kabel alles abdeckt.

Plan für die Vermessung der Route und die Verkabelung

Erstellen Sie einen detaillierten Plan mit dem Einziehen von Kabeln, unterstützenden Zwischenstationen und der Lage der Kabelzuleitungen. Eine sorgfältige Vermessung der Route ist eine der ersten Arbeiten, die durchgeführt werden muss. Berücksichtigen Sie Höhenunterschiede und Versatz und legen Sie die optimalen Spleißstellen fest.

Installation im Innenbereich: Sie müssen dabei die Art der Gebäudestruktur oder Umgebung berücksichtigen, sowie die einzelnen Stellen, an denen die Kabel verlegt werden, wie etwa unter dem Boden, in der Decke oder durch Rohre. Dazu müssen Sie prüfen, ob die Kabelkanäle gut zugänglich sind.

Die äußere Umgebung: Erarbeiten und überprüfen Sie eine umfassende Checkliste zu den Vorschriften der zuständigen Arbeits- und Gesundheitsschutzbehörde, um sicherzustellen, dass keine Komponenten übersehen werden – von Schutzvorrichtungen über den Verkehr bis hin zur Belüftung von Wartungsräumen.

Design und Handhabung von Kabeln

Überprüfen Sie die Kabelspezifikationen, denn alle Glasfaserkabel haben eine maximale Last oder Zugspannung, d. h., sie können durch zu starkes Ziehen, Biegen oder Drücken leicht beschädigt werden. Wie diese Schäden vermieden werden können, ist in den nachfolgenden Schritten dargelegt. Wenn man unter den maximalen Grenzwerten bleibt, werden verdeckte Schäden vermieden, die normalerweise erst nach dem Abschluss der Installation ans Licht kommen.

Zugspannung

Verwenden Sie unter Beachtung der maximalen Kabellast einen drehbaren Fischverbinder (Wirbel), eine Winsch mit Zugspannungsbegrenzung oder eine andere Vorrichtung zur Überwachung der Zugspannung.
Befestigen Sie Ziehstrümpfe aus Aramidfaser am Kabelmantel und verwenden Sie Zugelemente zur Verteilung der Kraft. Ein Wirbel ist ein wichtiges Ausrüstungsteil. Ein Wirbel zwischen dem Zugseil und dem Ziehstrumpf verhindert das Verdrehen des Kabels.
Überprüfen Sie die Last auf dem Wirbel, damit die maximale Zugspannung des Kabels nicht überschritten wird. Auch wenn Kabel von Hand eingezogen werden, ist die maximale Zugspannung zu berücksichtigen.

Druckfestigkeit

• Die Druckfestigkeit bezeichnet die Beständigkeit der Glasfaser gegen die Druckkraft. Beim Einziehen von Kabeln wird dies auch als Seitenwanddruck bezeichnet.
• Bei Glasfaserkabeln ist das meist kein Problem. Wenn die maximale Zugspannung und der minimale Biegeradius (MBR) beachtet werden, wird die Druckfestigkeit normalerweise nicht erreicht.
• Wichtig ist hier, dass auf dem Kabel nichts gestapelt wird, auch nicht viele Lagen des Kabels selbst. Das gilt vor allem, wenn das Gewicht des Materials nicht über ein langes Kabelstück verteilt wird.
• Manche Kabel sind zwar so ausgelegt, dass sie druckbeständig sind, das heißt aber nicht, dass sie unzerstörbar sind.

Biegeradius

• Glasfaserkabel weisen einen Mindestbiegeradius (MBR) auf, der normalerweise als Multiplikator des Außendurchmessers angegeben wird. Manche Kabel werden als biegeunempfindlich bezeichnet. Bei diesen Kabeln weist zwar die Glasfaser eine andere Beschaffenheit auf, doch auch diese Kabel haben einen Mindestbiegeradius.
• Der MBR wird in den technischen Daten des Kabels angegeben und vom Kabelhersteller festgelegt.
• Wenn das Kabel bei der Installation oder danach über den Höchstwert hinaus gebogen wird, kann dadurch die Faser beschädigt werden und es kann zur Signaldämpfung kommen.
• Es ist auch möglich, dass nur einzelne Fasern ohne sichtbare physische Schäden brechen. Beachten Sie daher bei der Auslegung Ihres Rohrs den MBR!
• Vergewissern Sie sich, dass Kabelverlegerollen oder Kabelumlenk-Rollenbogen die Mindestanforderungen an den Biegeradius erfüllen.

Kabelinstallation

• Die Größe des Innenrohrs ist so auszuwählen, dass der optimale Füllgrad ermöglicht wird. Bei einem hohen Füllgrad erhöht sich wegen der größeren Reibungsfläche meist die Spannung.
• Beim Einziehen von Kabelbündeln bleibt weniger Platz zum Verschieben, vor allem, wenn die Kabel durch eine Krümmung gezogen werden.
• Die Leitlinien für die Kabelfüllung hängen von der Anzahl der Kabel ab. Dadurch kann der richtige Abstand gewährleistet werden, ein weiterer Faktor, mit dem sichergestellt wird, dass die Kabel in das Rohr passen.
• Die Ausführung des Innenrohrs, und wie es verlegt oder geführt wird, könnte sich ebenfalls auf die Kabelspannung auswirken. Durch den Memory- oder Spiralen-Effekt des Innenrohrs kann sich die Zugspannung erhöhen, da er die Anzahl der Krümmungen beim Einziehen von Kabeln erhöht.
• Verwenden Sie keine Rohrkupplungen zum Spleißen von Innenrohrabschnitten. Durch eine Kupplung kann der Innendurchmesser verringert oder eine Lippe hinzugefügt werden, an der das Kabel scheuern könnte.
• Verschließen Sie Innenrohre vor dem Einziehen von Kabeln, damit keine Fremdkörper hinein gelangen können.
• Wenn mit dem Einziehen begonnen wurde, behalten Sie eine gleichmäßige Zugspannung und -geschwindigkeit bei.
• Die meisten Kabelhersteller empfehlen, nur Kabelschmiermittel zu verwenden, das für den Kabelmantel geeignet ist. Es gilt als die beste Methode zur Verringerung der Spannung (Kraft), um zu verhindern, dass das Kabel beim Einziehen nicht steckenbleibt, geknickt oder verdreht wird. Dadurch wird das Einziehen von Kabeln sicherer und weitere Schäden werden effektiv vermieden.
• Viele Stoffe können als Kabelschmiermittel verwendet werden. Allgemein erhältliche Materialien wie Geschirrspülmittel sind jedoch oft nicht dafür geeignet und können die Verkabelung beeinträchtigen.
• Ein bewährtes Verfahren für die Schmierung ist es, einen Tupfer mit Schmiermittel durch das Rohr zu ziehen, um die Strecke freizumachen und vorzuschmieren. Bei anderen Verfahren wird das Schmiermittel direkt in das Rohr gegossen oder das Kabel wird beim Eintritt in das Rohr damit beschichtet.
• Kabelschmiermittel verringern den Reibungskoeffizienten und machen ihn berechenbarer.
• Mit diesen Werten können die Spannung und der Seitenwanddruck vorhergesagt werden.
• Durch das Verständnis der auf das Kabel einwirkenden Kräfte wird das Design optimiert und die Beschädigung des Kabels verhindert.

Eine gute Planung gewährleistet das erfolgreiche Einziehen von Kabeln, kann den Prozess effizienter gestalten und verringert dabei den Ressourcenaufwand. Durch die Planung können Sie Ihr Projektdesign und die Installation optimieren und kostspielige Schäden an Kabeln vermeiden. Wir haben detaillierte Leitfäden und optimale Verfahren zusammengestellt, damit Sie sich gut auf Kabelprojekte aller Größen vorbereiten können.

Sheri Dahlke ist die technische Leiterin von Polywater® und somit für die strategische Führung der Produktentwicklung und des technischen Service verantwortlich. Sie ist seit über 30 Jahren bei Polywater tätig und federführend in der Branche in den Bereichen Forschung und Entwicklung, weltweite gesetzliche Vorschriften und Entwicklung von neuen Produkten, insbesondere bei Klebstoffen, Reinigern und Schmiermitteln, die in der Elektro- und Kommunikationsbranche verwendet werden.